Wenn man eine Patenschaft übernommen hat, so will man oft auch einen persönlichen Kontakt herstellen und das geschieht mit Hilfe eines Briefes. Nun stellt sich vielleicht so manches Mal die Frage: Was schreibe ich denn nun meinem Patenkind?
Ich schreibe einfach mal über meine Briefe die ich an meine Patenkinder in Vietnam geschrieben habe.
Im ersten Brief habe ich erstmal darüber geschrieben, wo ich wohne und wie es hier Aussieht, also z.B. das es hier ein paar kleinere Berge gibt, dass ein Fluss durch die Stadt fließt und das es hier ein Schloss gibt. Ich habe auch kurz erzählt, wie das Wetter im Sommer und im Winter ist und das ich gerne schwimmen gehe. Damit sich meine Patenkinder etwas unter Schnee vorstellen können, habe ich kurz erklärt, wann Schnee fällt, das es weich und weiß ist und halt ein Foto mit beigepackt, wie es im Winter aussieht. Ein anderes Mal habe ich eine Deutschlandkarte beigepackt und erklärt, wo ich jetzt wohne ich wo ich geboren bin. Es habe erklärt, wie viele Menschen in Deutschland leben und wie unsere Hauptstadt heißt. Da es in Vietnam Provinzen gibt, habe ich erklärt, dass wir etwas Ähnliches haben und dass man es hier Bundesländer nennt. Natürlich habe ich dann auch erklärt, in welchem Bundesland ich lebe und in welchem Bundesland ich aufgewachsen bin.
Was kann man noch schreiben? Jungs interessieren sich eher für technische Sachen und darum habe ich ihnen von meinen Interessen geschrieben, nämlich Eisenbahnen und Zivilflugzeuge. Ein Foto vom ICE und von einer Lufthansa-Maschine sowie Aufnahmen vom Flughafen oder Bahnhof sind sicher spannend für einen kleinen Jungen. Auch Berichte von Ausflügen und Reisen sind immer sehr spannend für die Kleinen und es gibt Ihnen das Gefühl, am Leben ihres Paten ein wenig teilhaben zu dürfen.
Vor Weihnachten habe ich übrigens meinen Patenkinder über das Weihnachtsfest berichtet. Dabei habe ich den religiösen Hintergrund eher vernachlässigt und lediglich darauf hingewiesen, dass das Fest in der christlichen Welt einmal im Jahr gefeiert wird. Danach habe ich mich eher darauf konzentriert, wie wir bei uns in der Familie Weihnachten feiern, wie alles in der Stadt geschmückt ist und auch dazu ein Foto von der geschmückten Stadt und von einem Weihnachtsbaum mitgeschickt. So haben die Kinder eine Vorstellung, was für Feste wir feiern.
Mit Sicherheit interessant sind vielleicht die Stationen des eigenen Lebens. Als ich jetzt in Elmshorn war, habe ich z.B. Fotos von meinem Kindergarten, meiner Grundschule und Realschule gemacht. Somit kann man den Kindern zeigen, wo man war, als man in ihrem Alter war. Auch das Haus, in welchem ich aufgewachsen bin, habe ich fotografiert und einen Abzug mitgeschickt.
Es gibt bei World Vision übrigens einen guten Tipp, was man besser nicht schreiben sollte. Das gilt übrigens generell und ist nicht auf bestimmte Länder bezogen. Dort wird geraten, von religiösen Themen Abstand zu nehmen. Außerdem sollte man darauf achten, den eigenen Reichtum nicht zu sehr in den Vordergrund zu stellen. Das erscheint zunächst schwierig, da ja theoretisch schon ein Foto vom eigenen Haus oder der eigenen Wohnung deutlich zeigt, wie gut wir hier leben. Aber gemeint ist eher etwas anderes. Man sollte halt bei den Reichtümern nicht zu sehr ins Detail gehen und z.B. vom neu gekauften 30.000 Euro teuren Wagen schwärmen oder erzählen, dass man gerade seinen 80.000 Liter fassenden Swimming-Pool fertig gestellt hat. Aber Dinge aus unserem täglichen Leben kann man gerne Ablichten und damit dem Kind helfen zu erfahren, wie wir leben. Man kann auch ruhig schreiben, dass auch bei uns der Arbeitstag hart sein kann. Man sollte unsere Errungenschaften eben neutral zeigen. Ich habe halt von meiner Leidenschaft zur Eisenbahn gesprochen und das ich gerne auch mit der Bahn fahre und habe dazu den ICE als Foto geschickt ohne nun darauf hinzuweisen "wie toll" dieser Zug ist und das unsere Bahn viel moderner ist "als eure in Vietnam". Zumal ich denke, dass wir gerade in Punkto Verspätung gar nicht mit unserer Bahn prahlen brauchen. Genauso wie ich einfach schreibe "in diesem Haus bin ich aufgewachsen" und fertig und nicht vielleicht noch als Zusatz "wie du siehst sind unsere Häuser besser als eure…". Genau das meint World Vision mit diesem Hinweis, den eigenen Reichtum nicht herauszuheben. Ganz verdrängen kann und soll man es nicht, denn es geht uns in Deutschland glücklicherweise nun mal besser und unsere Patenkinder wissen das i.d.R. auch. Wie sollten wir sie auch sonst unterstützen, wenn wir genauso arm wären?
Ich hoffe dieser kleine Leitfaden hilft euch beim verfassen eurer Briefe. Wer noch einen guten Tipp geben kann, der soll ihn nicht zurückhalten.
Gruß
Sascha

