Kinder dieser Welt...

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darunter auch ein Kind

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Moderatoren: Micha, KdW Team

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1 Beitrag • Seite 1 von 1

darunter auch ein Kind

Beitragvon True am 24.02.2008, 16:38

... darunter auch ein Kind - von Karlheinz Dürr

Sabaheta schiebt mit letzter Kraft die Haustür zu. Sie hängt schräg in den Angeln und läßt sich nicht völlig schließen. Unter ihren Füßen knirschen Bruchstücke von der Wand, Fensterscherben und alte Tapetenreste. Erschöpft lehnt sie sich gegen die Flurwand. Sie zittert am ganzen Körper, läßt sich auf den Boden gleiten. Ihr Atem geht heftig und stoßweise. Ihr Herz rast, dröhnt in ihren Ohren wie das Donnern schwerer Geschütze und jagt das Blut schmerzhaft durch ihren Kopf. Sie lehnt sich zurück, die staubverklebten Haare rascheln an der Flurwand. Ganz langsam gewöhnen sich ihre Augen an das Halbdunkel. An der gegenüberliegenden Wand hängt das Schild "Bitte die Haustür schließen" ein wenig schräg; hinter dem letzten Buchstaben ist ein kreisrundes Einschußloch, wie ein Punkt. Das Schild stammt aus anderen Zeiten, aus Friedenszeiten, an die sich Sabaheta nicht erinnern kann, die sie nur aus den Erzählungen der Erwachsenen kennt. Zeiten, in denen Kinder jeden Tag zur Schule gingen, in denen es alles zu kaufen gab, sogar Schokolade und Eiskrem. Und in denen man auch vergessen konnte, die Haustür zu schließen, weil draußen kein Krieg herrschte.

Jetzt, hier im Flur, hängen die Tapetenfetzen von der Wand. Ihr Muster aus verblichenen rosa Blumen ist neben den vielen Rissen und Einschußlöchern kaum noch zu erkennen. Direkt neben der Haustür klafft ein großes Loch in der Mauer, groß genug, um den Kopf hindurchzustecken. Das Sonnenlicht dringt durch das Loch herein und wirft einen verzerrten Lichtkreis an die Wand direkt neben Sabahetas Kopf. Sie rückt ein Stück zur Seite, so daß sich ihr Kopf in dem Lichtkreis befindet. Das Sonnenlicht blendet; sie schließt die Augen. Die Sonne läßt das blutrote Netz der feinen Äderchen in ihren Augen aufleuchten und verdrängt die Bilder der Erinnerung an das, was draußen auf der Straße ist. Aber sie hat den Marktplatz gesehen, das stumme Entsetzen und weiß, daß sie es nie mehr vergessen kann. Die Sonne wärmt und tröstet und kämpft gegen die Angst. Sabaheta zwingt sich, nicht zu weinen.

Sie zwingt sich, nicht daran zu denken, daß die Mutter zu Hause im Keller liegt, daß sie verbluten wird, wenn es Sabaheta nicht gelingt, zur Krankenstation zu laufen und Hilfe zu holen. Vor fünf Minuten ist sie losgelaufen - fünf Minuten, die ihr wie fünf Stunden vorkamen, geduckt an den Hauswänden entlang, hatte immer wieder Deckung in einer dunklen Türnische gesucht oder in einer Hofeinfahrt, wie es Hamid ihr beigebracht hatte. Kein Mensch geht mehr aufrecht in Sarajevo. Und kein Mensch geht mehr in Sarajevo. Alle laufen, rennen, hasten, so schnell sie nur können. Die Heckenschützen lauern überall - auf den umliegenden Hügeln vor der Stadt, manchmal auch in den ausgebombten Häusern. Sabaheta ist nur fünf Querstraßen weitergekommen, als es auf dem Marktplatz in der Altstadt losging, und als sie das Heulen der Granaten hörte, als schnell hintereinander ein Geschoß nach dem anderen einschlug, war sie in panischer Angst in den nächsten Hauseingang gesprungen, in diesen halbdunklen Flur, in dem sie jetzt liegt. Sie kann jetzt nicht nach Hause zurück, um bei ihrer Mutter zu sein. Und sie kann auch nicht zur Krankenstation, um Hilfe zu holen. Ich muß warten, denkt sie verzweifelt, warten, bis sie aufhören zu schießen.

Die letzten Tage hatte sie im Keller verbracht, denn in der Wohnung war es zu gefährlich geworden. Strom und Telefon gab es schon lange nicht mehr, das Wasser war vor zwei Wochen wieder einmal abgestellt worden. Das Flußwasser aus der Miljacka durfte man auch nicht mehr trinken, seit viele Menschen davon Ruhr bekommen hatten und gestorben waren.

Aber Sabahetas Vater hatte schon vor Monaten im Garten hinter dem Haus ein tiefes Loch gegraben, einen "Notbrunnen", wie er es genannt hatte, so daß es dort wenigstens ein bißchen Wasser gab.

Bei dem Gedanken an Wasser fährt Sabaheta mit der Zunge über die Lippen. Sie sind trocken, rauh und rissig, sie spürt den Staub. Sie hat lange nichts mehr getrunken. Ein paar Haarsträhnen sind ihr über das Gesicht gefallen, die Haare sind miteinander verklebt wie schmutzige, brüchige Zöpfchen. Haare waschen, ein Bad nehmen, einfach wieder einmal sauber sein! Vielleicht im Frieden, denkt sie. Wenn der Frieden jemals wiederkommt. Dann gibt es vielleicht sogar wieder Seife und Shampoo zu kaufen. Und Papa kommt wieder nach Hause.

Sabaheta öffnet mühsam die Augen. Scharf und schmerzhaft trifft sie die Helligkeit; die Augen brennen, und obwohl sie stolz darauf ist, nicht zu weinen, rollen Tränen über ihre Wangen. Bei jeder Bewegung wirbelt neuer Staub auf Durch das Loch neben der Haustür und durch die Astlöcher und Risse in der alten Tür fallen die Sonnenstrahlen, dringen mühsam durch den Staub, lange, gerade Linien, die aussehen wie Straßen, die nach draußen führen. Nur eine dünne, brüchige Holztür trennt sie vom Krieg auf der Straße. Doch die Straßen aus Sonnenstaub führen über den Krieg hinweg.

Sie läßt den Blick langsam die Sonnenstraßen entlanggleiten. Wenn sie die Augen leicht zukneift, sehen die herumwirbelnden Staubteilchen aus wie unzählige kleine Lebewesen, die auf den Staubstraßen hin- und her eilen. Es ist leicht, auf solchen Straßen zu gehen; Sabaheta schwebt dahin. Ein paar winzige Fliegen tanzen mit ihr im Sonnenlicht. Das Licht ist sanft und mild, warm wie der Körper ihrer Mutter, wenn Sabaheta zitternd vor Angst und Kälte in ihren Armen die unzähligen Tage und Nächte durchlebte, in denen die Granaten auf die Stadt fielen.
Der kurze Traum zerfällt. Die Mutter, denkt Sabaheta verzweifelt. Warum nur ist sie heute vormittag zum Markt gegangen? Vera aus dem Nachbarhaus war schon am frühen Morgen herübergekommen.

"Es gibt wieder Kartoffeln" hatte Vera freudig verkündet.

Mutter hatte erstaunt aufgeblickt. "Wirlich? Oder ist es nur wieder ein falsches Gerücht? Letztes Mal sind die Lastwagen ja auch nicht durchgekommen."

"Nein, es stimmt. Mein Bruder war schon in der Markthalle. Endlich mal was anderes als nur Nudeln und Reis' Aber er sagt, es seien nur wenige Lastwagen angekommen. Du mußt dich also beeilen."

Doch kurz danach hatten die Schießereien wieder begonnen, und die Mutter hatte sich nicht mehr auf die Straße gewagt.

Um die Mittagszeit war es wieder ruhig geworden. Die Mutter hatte ihren ganzen Mut zusammengenommen und war aus dem Haus gerannt. Sie hatte es bis zum Markt geschafft, hatte Kartoffeln eingekauft, sogar einen Laib Brot bekommen und dafür ihr ganzes restliches Geld ausgegeben. Dann hatte sie sich wieder auf den Rückweg gemacht.

Die Kugel mußte sie an der Straßenecke direkt vor dem eigenen Haus getroffen haben - an einer Stelle, an der es keine Möglichkeit gab, in Deckung zu gehen. Sabaheta hatte die Schüsse und den lauten Aufschrei ihrer Mutter gehört, das Aufschlagen ihres Körpers auf dem Boden, das heftige Keuchen, als sie sich wieder aufrichtete, sich mühsam zum Hauseingang schleppte. Mutter hatte sich gegen die Tür und in den Hausflur fallen lassen, wo Sabaheta schreckensstarr auf sie wartete. Sabaheta hatte ihre Mutter in den Flur gezogen, die Haustür zugeworfen und ihr geholfen, in den Keller hinabzusteigen. Dort waren sie sicher.

Die Großmutter hatte wie immer auf einer Matratze gelegen. Sie hielt die Augen geschlossen und atmete mühsam, aber Sabaheta wußte, daß sie nicht schlief. Schlaf war nicht möglich bei den Schüssen, dem schweren Donnern - und der Angst. Die Wangen der alten Frau waren eingefallen; sie war in den letzten Wochen und Monaten sehr schwach geworden, und Medikamente für ihre Herzkrankheit gab es schon lange nicht mehr. Als sie ihre Tochter verletzt auf die andere Matratze sinken sah, schrak sie hoch und begann leise zu wimmern. "Mein Kind", flüsterte sie immer wieder. Sie legte die Arme um die Schultern der Mutter und wiegte sie hin und her wie ein Baby.

"Hör auf, du tust ihr weh" sagte Sabaheta. Die Großmutter blickte auf, schüttelte wie benommen den Kopf. Schließlich stand sie mühsam auf und half Sabaheta, die Mutter auf das Matratzenlager zu betten. Die Mutter blutete aus zwei Wunden an Schulter und Hüfte. Auf ihrer Kleidung hatten sich zwei riesige Blutflecken gebildet. Sie sank erschöpft zurück.

"Wasser", stöhnte sie leise, während ihr die Großmutter die Stirn mit einem feuchten Lappen kühlte. Sabaheta flößte ihr ein wenig Wasser ein - eine hellbraune, lehmig schmeckende Flüssigkeit, die direkt aus der Erde kam.

"Arzt", murmelte die Mutter undeutlich. Ihr Blick war verschleiert.

Sabaheta ließ sie sanft auf das Bett zurückgleiten. "Ich hole Hilfe", stieß sie mühsam hervor. Dunkle Angst schlug in ihr hoch wie ein furchtbares Tier.

"Jetzt nicht" sagte die Großmutter entsetzt. "Warte, bis sie
aufhören zu schießen."
"Aber wir brauchen einen Arzt", wandte Sabaheta ein.

Die Großmutter drehte sich langsam zu ihr um und sah ihr starr in die Augen. "Du kannst jetzt nicht hinaus, verstehst du? Du hörst doch, was draußen los ist. Das kann noch Stunden dauern. Wir müssen die Wunden säubern. Mach Wasser heiß!"

Sabaheta hatte in dem alten Eisenofen Kleider und einen Schuh ihres Vaters verbrannt und Wasser gekocht. Dann hatte
sie die Hand ihrer Mutter gehalten, hatte sie vor Schmerzen aufstöhnen hören, als die Großmutter Blut und Schmutz um die Wunden herum abwusch, hatte zusehen müssen, wie die Mutter immer schwächer wurde. In Sabaheta wütete die Angst. Die Angst davor, daß ihre Mutter sterben könnte. Und die Angst davor, hinauszulaufen und Hilfe zu holen. Doch schließlich hatte sie es nicht mehr ausgehalten und war aufgesprungen.

"Du bleibst hierl" hatte die Großmutter befohlen.
Aber sie hatte nicht auf sie gehört. Und sie war losgelaufen.

Warum waren die Mutter und die Großmutter in diesem Haus geblieben, obwohl die Geschütze das Haus Wand für Wand durchlöchert hatten? Der Vater war vor Monaten verschwunden, und niemand wußte, was aus ihm geworden war. Selbst die alte Dragica war gegangen, als die Vorderseite ihres Hauses von einer Granate weggeblasen worden war. Jetzt sah das Haus an der Vorderseite wie ein offenes Puppenhaus aus. Das Wohnzimmer konnte man von außen betreten, ohne eine Tür zu benutzen; der Tisch stand fast unversehrt in der Mitte des Zimmers, das Sofa an der Wand. Der Teppich hing vorne, wo die Wand fehlte, herunter. Sabaheta hatte gesehen, wie die alte Dragica die Haustür suchte, die irgendwo weiter oben in der Straße lag, den Schlüssel abzog und in ihre Tasche steckte. "Warum nimmst du den Schlüssel mit?" hatte Sabaheta sie gefragt. Sie hatte beinahe lachen müssen, aber die alte Frau hatte sie nur eine Weile stumm angesehen, den Kopf geschüttelt und sich wortlos umgedreht. Doch dann war sie noch einmal stehengeblieben. "Hamid und ich haben das Haus mit unseren eigenen Händen gebaut", hatte sie gesagt. "Und eines Tages werden wir wieder hier wohnen." Dann war sie gegangen. Sabaheta hatte ihr sprachlos nachgeschaut. Sie wußte, daß Hamid schon seit vielen Monaten tot war.

Hamid war im letzten Winter von einer Granate getroffen worden, als er einen der wenigen Bäume umschlug, die noch in der Stadt zu finden waren. Ein Bäumchen, zu dünn, um den Ofen mehr als eine kalte Nacht lang zu heizen - aber groß genug für Hamid. Groß genug, um dafür zu sterben.

Hamid hatte ihr beigebracht, was sie auf der Straße tun mußte. "Paß immer genau auf, was geschieht", hatte er gesagt. "Wenn sie mit Granaten schießen, geh sofort in den Keller. Granaten kannst du hören. Beim Heranfliegen fauchen und heulen sie wie ein sterbendes Tier. Aber wenn du sie hören kannst, bist du in höchster Gefahr. Wenn du im Freien bist, wirf dich hinter jede Deckung, die du finden kannst. Drück das Gesicht in die Erde, und halte dir die Ohren zu. Blick dich immer um, wo du auch bist. Geh in Deckung, sobald du Schüsse hörst, egal wie weit entfernt sie sind. Lauf nie aufrecht. Bleib nie stehen. Bleib in der Nähe von Eingängen, Toren oder Sandsäcken. Deckung ist alles. Trag keine helle Kleidung und keinen glänzenden Schmuck. Schüsse kommen fast immer von schräg oben. Schau!" Er hatte mit der Hand auf die Hügel hinter der Stadt gewiesen. "Dort stehen sie mit schweren Waffen, auf den Hügeln hinter Grbavica. Und dort, hinter den Kasernen von Lukavica. Und manche Scharfschützen liegen dort drüben, in den hohen, ausgebrannten Häusern. Sie haben Gewehre mit Zielfernrohren und können fast jeden Punkt in der Altstadt treffen. Sie können sich sogar einzelne Menschen heraussuchen." Er hatte langsam den Arm sinken lassen, in die Ferne gestarrt. Und leise hinzugefügt: "Und erschießen."

Sabaheta schreckt aus ihrer Erinnerung. Es ist so still, denkt sie angstvoll. So entsetzlich still. Sie haben aufgehört zu schießen. Jetzt. Ich muß jetzt loslaufen.

Sie steht auf. Ihre Beine sind schwer, wie gelähmt. Vorsichtig öffnet sie die Haustür einen Spalt weit.

Und wenn sie wieder schießen? Dort droben auf den Hügeln, irgendwo, sitzt vielleicht einer, das Zielfernrohr am Auge. Manchmal sind es fünfzehn-, sechzehnjährige Jungen, die einem toten Soldaten das Gewehr abgenommen haben und nun selbst Helden spielen. Ein Spaß, ein Sport, ein Muslimmädchen durch die Straßen zu jagen, die Schüsse immer knapp hinter ihr in die Wand zu jagen und dann ...

Ein scharfer Schmerz an ihrer Hand. Ein großer Holzsplitter an der Tür hat ihren Finger aufgerissen; die Wunde blutet ein wenig. Sie leckt das Blut ab und achtet nicht weiter darauf - der Schmerz vertreibt die Gedanken an die Heckenschützen. Doch das Blut ist wie ein Zeichen ihrer Mutter.

Sie atmet tief ein. Jetzt. Sie reißt die Haustür auf, springt die drei Stufen hinab und läuft los.

Auf den Hügeln vor der Stadt beendet ein Soldat sein Mittagessen. Er faltet den Brief seiner Tochter zusammen und schiebt ihn in die Brusttasche seines Kampfanzugs. "Wann kommst Du zurück?" hatte sie geschrieben. "Wir feiern eine Party an meinem elften Geburtstag. Es kommen mindestens zehn Kinder. Bitte mach, daß Du dabei sein kannst. Und mach, daß endlich wieder Frieden ist und Du für immer bei uns bleiben kannst." Er lächelt grimmig. Frieden, denkt er, Frieden wird es nicht geben, solange diese verdammte Stadt da unten nicht uns allein gehört.

Ein Schatten fällt über ihn. Er blickt auf, kann aber gegen das Licht der Sonne das Gesicht des anderen Mannes nicht erkennen. Eine Hand hält ein Stück Papier

"Befehl aus Pale", sagt die Stimme. "Granaten. Noch einmal auf die Altstadt."

Er nickt wortlos und steht auf. Gemeinsam mit einem anderen Soldaten schiebt er die erste der schweren Granaten in das Geschütz. Er drückt auf den Knopf, tritt ein paar Schritte zurück und hält sich die Ohren zu.

Sie jagt dicht an den Hauswänden entlang, gehetzt, gebückt, bei jedem Sprung schmerzen die Knie, über Steine, Bruchstücke von Mauern, blicklos herumliegende Fensterrahmen, zerbrochene Möbelstücke aus zerbombten Häusern, wie zerbrochenes Leben unzähliger Menschen. Weit entfernt hört sie ein paar Schüsse.

Der Schreck fährt durch ihren Körper wie ein Schlag. Es geht wieder los! denkt sie, und die Angst klammert mit kaltem Griff ihr Innerstes zusammen. Sie spürt, daß sie sich gleich übergeben muß, Aber sie muß es schaffen. Für die Mutter. Sie biegt um die Ecke und sieht, unten am Ende der Straße, die Krankenstation. Sie kann nicht mehr, hetzt doch weiter, ist so erschöpft, daß die Brust schmerzt, taumelt und schlägt mit dem Kopf gegen eine Wand, bricht mit einem Fuß in einen Kellerschacht ein, spürt nicht den Schmerz, weiter, nur weiter, und ihr Keuchen brüllt in ihren Ohren.

Sie hört nicht das Heulen der Granate.

Schwerer Granatenangriff auf Sarajevo

Sarajevo/Zagreb (dpa). Unmittelbar vor Beginn der neuen Friedensgespräche kamen gestern vormittag bei einem Artillerieangriff auf den Marktplatz in der Altstadt von Sarajevo mindestens 25 Menschen ums Leben. Bei weiteren Angriffen am Nachmittag in der Nähe des Krankenhauses starben weitere fünf Menschen, darunter auch ein Kind.


Karlheinz Dürr: ... darunter auch ein Kind. In: Reiner Engelmann (Hg.): Die kleinen Riesen im Alltag. Geschichten vom Muthaben und Mutmachen. Reinbek 1996, S. 119-127.
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